Army of Dumbness
Achtung: Dieser Text enthält Spoiler! Lesen auf eigene Gefahr!
Es klang nach einem perfekten Start in die Woche: Montag Morgen, 10:00 Uhr, Pressevorführung zu Legion. Apokalypse zum Kaffee – Hurra!
Nach dem Trailer zu Legion (Hier klicken um den Trailer zu sehen) hab ich mich wirklich auf den Film gefreut. Natürlich habe ich keinen Oscar-Kandidaten erwartet, aber das muss ja auch nicht immer sein. Ich wollte fiese Monster, coole Kämpfe und spaßiges Gemetzel.
Stattdessen sah ich Folgendes:
Paul Bettany landet nackt in einer dunklen Straße. Der Terminator ist zurück! Vielleicht war der vierte Teil ja nur ein gigantischer Witz und jetzt kommt die echte Fortsetzung? Nein, doch nicht: Der
Terminator hat keine blutigen Flügelstummel, Paul Bettany schon. Die muss er erstmal verarzten und äußerst männlich eigenhändig nähen.
Dann geht es aber doch zurück auf Arnies Spuren und ins nächste Waffenlager. Als er mit zwei Reisetaschen voller Wummen zurück auf dieStraße kommt, kommen dort zwei Cops auf die dumme Idee, ihn aufhalten zu wollen: Big Mistake – you don´t mess with an angel, stupid! Einer der Polizisten bekommt einen Anfall, verzerrt sein Gesicht und macht Paul – ab jetzt als Michael, der Erzengel bekannt – Vorwürfe, weil er sich seinem Chef widersetzt. Paul räumt die Bullen aus dem Weg, schnappt sich ihren Wagen und verlässt die Stadt. Hinter ihm gehen die Lichter aus …
Michaels Ziel: Ein kleines Diner in der Wüste. Dort arbeitet die schwangere Kellnerin Charlie, deren ungeborenes Kind die letzte Hoffnung der Menschheit ist. Warum? Keine Ahnung, denn die Erklärung dafür haben die Drehbuchschreiber leider vergessen.
Eine jungfräuliche Empfängnis scheint auf jeden Fall unwahrscheinlich und überhaupt hat die ständig
rauchende, ziemlich zickige Charlie wenig Ähnlichkeit mit einer modernen Maria. Aber was soll´s: Das Kind muss überleben, sonst ist die Menschheit hinüber. Mehr muss man ja auch nicht wissen.
Als Michael die Wüstenkneipe erreicht, ist die Stimmung dort ziemlich angespannt: Fernseher, Telefon und Radio sind ausgefallen und weder die Inhaber des Diners (Dennis Quaid mit Filmsohn Lucas Black aus The Fast and the Furious: Tokyo Drift) noch ihre Gäste haben eine Ahnung, was gerade in der Welt passiert. Michael klärt sie auf: Gott hat von seiner Schöpfung Mensch mal wieder die Schnauze voll. Beim letzten Mal hat er Wassermassen geschickt, diesmal kommen seine himmlischen Heerscharen zum Auslöschen und Aufräumen. Nur Michael glaubt noch immer an das Gute im Menschen und denkt, dass sein Chef sich schon wieder beruhigen wird, wenn er erstmal Charlies neugeborenes Baby sieht.
Von da an wird gewartet. Auf Charlies Niederkunft, auf die regelmäßigen Angriffe der bösen Engel – die sich für Gottes mächtigste Streitmacht ziemlich dämlich anstellen – und natürlich auf Michaels persönlichen Endgegner, Erzengel Gabriel. (Kevin Durand gehört allein wegen seiner Teilnahme an Lost zu den Guten, aber der einzig wahre Gabriel ist bleibt Christopher Walken.)
Leider ist dieses Warten nicht sonderlich spannend – zumindest, wenn man vorher schon mal ein oder zwei Action- oder Horrorfilme gesehen hat: Bei jedem Angriff von Gottes Killerarmee werden die Dinergäste nach dem üblichen Muster weiter dezimiert. Dank mangelhafter Charakterentwicklung sind diese Abgänge dem Zuschauer aber herzlich egal.
Die Macher von Feast haben eindrucksvoll gezeigt, dass man aus Kunstblut und Selbstironie durchaus passable Unterhaltung machen kann. Beides fehlt in Legion und deshalb wird der Kampf gegen die Engel auch ziemlich schnell öde. Die zwei besten Szenen des Films sind wie üblich schon im Trailer zu sehen. Ansonsten halten die Männer vom Dach aus mit Michaels Waffen die Angreifer in Schach, bis Dennis Quaid schließlich einschläft – wer könnte es ihm verübeln? – und der Kampf sich im Haus fortsetzt.
Irgendwann ist Charlies Baby dann auf der Welt, Michael tritt Gabriel noch mal kräftig in die Nüsse und die gerade noch mörderischen Kreaturen des Himmels verbeugen sich vor dem Neugeborenen. Ende.
Bin ich froh, dass ich dafür kein Geld bezahlt habe. Wer das aber tun möchte: Legion ist ab 18. März im Kino zu sehen.
PS: Gott sollte das nächste Mal lieber wieder Wasser schicken. Die Engel-Armee hat versagt.
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