Army of Dumbness 

2.02.2010  (kk)

Achtung: Dieser Text enthält Spoiler! Lesen auf eigene Gefahr!

Es klang nach einem perfekten Start in die Woche: Montag Morgen, 10:00 Uhr, Pressevorführung zu Legion. Apokalypse zum Kaffee – Hurra!

Nach dem Trailer zu Legion (Hier klicken um den Trailer zu sehen) hab ich mich wirklich auf den Film gefreut. Natürlich habe ich keinen Oscar-Kandidaten erwartet, aber das muss ja auch nicht immer sein. Ich wollte fiese Monster, coole Kämpfe und spaßiges Gemetzel.

Stattdessen sah ich Folgendes:

Paul Bettany landet nackt in einer dunklen Straße. Der Terminator ist zurück! Vielleicht war der vierte Teil ja nur ein gigantischer Witz und jetzt kommt die echte Fortsetzung? Nein, doch nicht: Der Terminator hat keine blutigen Flügelstummel, Paul Bettany schon. Die muss er erstmal verarzten und äußerst männlich eigenhändig nähen.
Dann geht es aber doch zurück auf Arnies Spuren und ins nächste Waffenlager. Als er mit zwei Reisetaschen voller Wummen zurück auf dieStraße kommt, kommen dort zwei Cops auf die dumme Idee, ihn aufhalten zu wollen: Big Mistake – you don´t mess with an angel, stupid! Einer der Polizisten bekommt einen Anfall, verzerrt sein Gesicht und macht Paul – ab jetzt als Michael, der Erzengel bekannt – Vorwürfe, weil er sich seinem Chef widersetzt. Paul räumt die Bullen aus dem Weg, schnappt sich ihren Wagen und verlässt die Stadt. Hinter ihm gehen die Lichter aus …

Michaels Ziel: Ein kleines Diner in der Wüste. Dort arbeitet die schwangere Kellnerin Charlie, deren ungeborenes Kind die letzte Hoffnung der Menschheit ist. Warum? Keine Ahnung, denn die Erklärung dafür haben die Drehbuchschreiber leider vergessen.
Eine jungfräuliche Empfängnis scheint auf jeden Fall unwahrscheinlich und überhaupt hat die ständig rauchende, ziemlich zickige Charlie wenig Ähnlichkeit mit einer modernen Maria. Aber was soll´s: Das Kind muss überleben, sonst ist die Menschheit hinüber. Mehr muss man ja auch nicht wissen.
Als Michael die Wüstenkneipe erreicht, ist die Stimmung dort ziemlich angespannt: Fernseher, Telefon und Radio sind ausgefallen und weder die Inhaber des Diners (Dennis Quaid mit Filmsohn Lucas Black aus The Fast and the Furious: Tokyo Drift) noch ihre Gäste haben eine Ahnung, was gerade in der Welt passiert. Michael klärt sie auf: Gott hat von seiner Schöpfung Mensch mal wieder die Schnauze voll. Beim letzten Mal hat er Wassermassen geschickt, diesmal kommen seine himmlischen Heerscharen zum Auslöschen und Aufräumen. Nur Michael glaubt noch immer an das Gute im Menschen und denkt, dass sein Chef sich schon wieder beruhigen wird, wenn er erstmal Charlies neugeborenes Baby sieht.

Von da an wird gewartet. Auf Charlies Niederkunft, auf die regelmäßigen Angriffe der bösen Engel – die sich für Gottes mächtigste Streitmacht ziemlich dämlich anstellen – und natürlich auf Michaels persönlichen Endgegner, Erzengel Gabriel. (Kevin Durand gehört allein wegen seiner Teilnahme an Lost zu den Guten, aber der einzig wahre Gabriel ist bleibt Christopher Walken.)

Leider ist dieses Warten nicht sonderlich spannend – zumindest, wenn man vorher schon mal ein oder zwei Action- oder Horrorfilme gesehen hat: Bei jedem Angriff von Gottes Killerarmee werden die Dinergäste nach dem üblichen Muster weiter dezimiert. Dank mangelhafter Charakterentwicklung sind diese Abgänge dem Zuschauer aber herzlich egal.
Die Macher von Feast haben eindrucksvoll gezeigt, dass man aus Kunstblut und Selbstironie durchaus passable Unterhaltung machen kann. Beides fehlt in Legion und deshalb wird der Kampf gegen die Engel auch ziemlich schnell öde. Die zwei besten Szenen des Films sind wie üblich schon im Trailer zu sehen. Ansonsten halten die Männer vom Dach aus mit Michaels Waffen die Angreifer in Schach, bis Dennis Quaid schließlich einschläft – wer könnte es ihm verübeln? – und der Kampf sich im Haus fortsetzt.
Irgendwann ist Charlies Baby dann auf der Welt, Michael tritt Gabriel noch mal kräftig in die Nüsse und die gerade noch mörderischen Kreaturen des Himmels verbeugen sich vor dem Neugeborenen. Ende.

Bin ich froh, dass ich dafür kein Geld bezahlt habe. Wer das aber tun möchte: Legion ist ab 18. März im Kino zu sehen.

PS: Gott sollte das nächste Mal lieber wieder Wasser schicken. Die Engel-Armee hat versagt.

.

 Everybody´s Fine 

28.01.2010  (kk)

Auch wenn der Zustand unseres Blogs anderes vermuten lässt – wir leben noch. Und es gibt noch mehr gute Neuigkeiten: Es taut endlich!
Im Dezember waren die Schneemassen ja noch weihnachtlich-romantisch, aber so langsam würde ich die niedlichen schlittenfahrenden Kinder im Schanzenpark liebend gern gegen trockene Füße eintauschen…

Ich habe das warme Wetter heute auf jeden Fall direkt genutzt und eine Pressevorführung von Robert De Niros neuem Film Everbody´s Fine besucht.
Natürlich waren wir auch in den letzten Wochen auch mal im Kino – aber da waren Ausflüge nach draußen eher wie Polarexpeditionen, nach denen man sich zitternd an die Heizung schmiegen möchte anstatt mit erstarrten Fingern seine Eindrücke festzuhalten…

Robert De Niro ist ein Ausnahme-Schauspieler, keine Frage. Allerdings gehört er – wie auch Sir Ben Kingsley und Al Pacino – zu den fleißigen Mimen, die anscheinend wirklich bei jedem Drehbuch zusagen. Haben die Herren Angst davor, mal mit sich alleine zu sein? Oder steckt dahinter ein Trauma aus ihren schlecht bezahlten Anfangsjahren? Man weiß es nicht. Jedenfalls hab ich aus Erfahrung (Kurzer Prozess – Righteous Kill) gelernt, dass nicht überall, wo De Niro draufsteht auch ein toller Film drinsteckt.

Auch bei Everbody´s Fine werden die Meinungen vermutlich auseinander gehen: De Niro spielt den verwitweten Rentner Frank Goode, der nach dem Tod seiner Frau plötzlich intensive Vatergefühle entdeckt. Als alle vier Sprösslinge den geplanten Wochenend-Besuch absagen, beschließt er, seine erwachsenen Kindern (unter anderem gespielt von Drew Barrymore und Kate Beckinsale) zu überraschen und macht sich auf zu einem ganz besonderen Road Trip quer durch die USA. Dabei findet er heraus, dass seine Liebsten längst nicht so erfolgreich und glücklich mit ihrem Leben sind wie er immer dachte.

Die Inhaltsangabe lässt es schon vermuten: Ganz ohne Kitsch geht es hier nicht ab. Aber das haben tragikomische Familienfilme nun mal an sich und allein die hervorragenden Schauspieler (allen voran natürlich Mr. De Niro) rechtfertigen die Kinokarte auf jeden Fall. Ich hab mich auf jeden Fall nicht gelangweilt und passend zum Tauwetter auch meine Tränendrüsen mal wieder aktiviert.

Wer das auch tun möchte: Ab 18. März ist Everbody´s Fine im Kino zu sehen.

PS: Noch eine kleine Anekdote aus dem Presseheft: Kate Beckinsales kleine Tochter Lily hat im Film einen Mini-Auftritt und durfte ihre erste Szene gleich gemeinsam mit De Niro persönlich drehen. Mama Kate war schrecklich aufgeregt, aber die Kleine hat ihre Sache gut gemacht, war kein bisschen nervös und meinte hinterher: “That was great, I just wish it was with somebody famous like George Clooney.” Süß.

 

Anzeige

 

 Und tschüss! 

19.06.2009  (ak)

Andre: Es hat mich erwischt! Das schlimmste Übel für alle angehenden Wortakrobaten schiebt sich genau in diesem Moment zwischen meine kreativen Gehirnhälften und verhindert jeglichen Ansatz druckreifer Ergüsse. Ich spreche von einer ausgewachsenen Schreibblockade! Als probates Gegenmittel versuche ich daher, mein momentanes Defizit mit einem wie immer lange überfälligen Blog zu bekämpfen. Wenden wir uns also zunächst der Ursachenforschung zu. Ein Grund für den neurologischen Stau könnte zum Beispiel der gestrige Umtrunk im Kreise der Kollegen sein. Wie so oft konnte man den Verlockungen der Happy Hour nicht widerstehen und muss demzufolge mit den Nachwirkungen leben. Vielleicht bin ich aber auch gedanklich schon in Berlin, wo ich ab Sonntag zu meinem Volontärskurs antrete. Vier Wochen geballte Informationen warten auf eine hungrige Meute von Nachwuchsjournalisten, die natürlich bis in die Fingerspitzen motiviert sind (das meine ich übrigens ernst und nicht ironisch). Dank ausgiebiger Telefonkonferenz mit Volo-Genossin Kim weiß ich bereits, dass mich neben hervorragenden Dozenten, viel Arbeit und neuen Herausforderungen auch diverse Gelegenheiten für abendliche Zusammenkünfte mit gesteigerter Flüssigkeitsaufnahme erwarten. Na, hoffentlich resultieren daraus nicht weitere Blockaden! Zumindest dieser Blog findet aus genannten Gründen ein frühes Ende und ich begebe mich für die kommenden Wochen auf Redaktionsflucht. Aber wer mag schon lange Abschiede…

 Achtung, fliegender Volontär 

20.05.2009  (ak)

Andre: Hurra, ich lebe noch! Eigentlich sollte diese Meldung schon vor zwei Wochen auf diesem Wege erscheinen, aber wie immer hat mir der obligatorische Druckabgabestress die Tour vermasselt. Doch dank des erfolgreich absolvierten Tandemsprungs am 2. Mai (Beweisfoto siehe links) konnte ich die arbeitsintensiven Tage ziemlich gelassen angehen. Frei nach dem Motto: Was sollte mir denn jetzt noch großartig passieren können? Allen, die eventuell auch mit dem Gedanken spielen, aus einem Flugzeug zu hüpfen, kann ich nur voll und ganz dazu raten! Es ist wirklich ein absolut unvergessliches Erlebnis, das man schlecht mit Worten ausreichend vermitteln kann. Deshalb belasse ich es an dieser Stelle bei einer Kurzbeschreibung der einzelnen Phasen des luftigen Vergnügens vom Kennenlernen des Tandemmasters bis zur sicheren Landung. (Von der ich allerdings nicht wirklich etwas mitbekommen habe, aber dazu später mehr).

Phase 1 – Der Tandemmaster: Bevor es in die Höhe geht, lernt man zunächst den Mann kennen, der einen später in den Abgrund stürzen darf. Mein Kandidat des Vertrauens entpuppte sich als gelassener Sprungmanitu mit einer nahezu beruhigenden Ausstrahlung.

Phase 2 – Die Vorbereitung: Auf zur Kleiderwahl! Zunächst durfte ich in einen grünen Sprunganzug schlüpfen, in dem ich glatt als Landschaftsgärtner durchgegangen wäre. Schnittige Brille und eine Old-School-Fliegerhaube rundeten das modische Gesamtpaket ab. Es folgte die Einweisung in den Ablauf des Sprungs. Allerdings beließ es mein Master bei relativ oberflächlichen Anweisungen mit dem Hinweis, dass wir alles noch mal genau im Flugzeug durchgehen.

Phase 3 – Der Flug: Up and away! In bester Top Gun-Manier machten wir uns dann auf zur schnuckeligen Propellermaschine. Zusammen mit zwei weiteren Springern pferchte man sich hintereinander auf den Boden und schon ging es ab bis auf 4000 Meter Höhe. Während des rund 15-minütigen Fluges verstand man aufgrund akuter Motorenlärmbelästigung sein eigenes Wort nicht mehr und langsam aber sicher ließ sich ein steigender Adrenalinpegel nicht mehr leugnen.

Phase 4 – Der Absprung: Jetzt gab es kein Zurück mehr! Mit meinem Master im Schlepptau rutschte ich zur Absprungluke und dann hieß es: Nicht lang schnacken, Kopp in`Nacken und weg damit!

Phase 5 – Der Freie Fall: Man nehme das Gefühl im Magen bei einer Achterbahnabfahrt und multipliziere es mit Faktor zehn. So in etwa gestalteten sich die ersten Schocksekunden des Freifalls. Doch bereits kurz danach machten sich nur noch Glücksgefühle breit, die wie gesagt kaum zu beschreiben sind. Nach 50 Sekunden zog der Master die Fallschirmleine und viel sanfter als vorher gedacht folgte der Übergang in den circa siebenminütigen Sinkflug.

Phase 6 – Die Landung: Tja, am Ende ist dann doch noch ein klitzekleines Malheur passiert: Leider hatte sich mein Kreislauf kurz vor der Landung dazu entschlossen, kurzzeitig den Geist aufzugeben, sodass ich mich die letzten Meter als nasser Sack präsentieren musste. Kurz gesagt – Landung verpennt! Immerhin konnte ich mich wieder schnell berappeln und war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber voll mit unglaublichen Eindrücken.

So in etwa lässt sich mein todesmutiges Erlebnis in der Kurzform beschreiben. Fest steht auf jeden Fall, dass es definitiv einen zweiten Sprung geben wird und dann hoffentlich auch mit einer Landung im vollen Bewusstsein. Die redaktionelle umfassende Aufarbeitung meiner Fallschirmpremiere erfolgt dann im Rahmen unserer Reportageaufgabe. Allerdings dürfte das Ergebnis noch etwas auf sich warten lassen, da zunächst Kim und anschließend ich vier Wochen in Berlin stationiert sind, wo wir unsere heiß ersehnten Volontärskurse in Angriff nehmen. Mal sehen, was uns dort so für Herausforderungen erwarten…

 Alles Gute kommt von oben 

30.04.2009  (ak)

Andre: Nachdem Kim bekanntermaßen ja bereits ihre Flugangst erfolgreich therapieren konnte, will ich dem natürlich in nichts nachstehen, und nutze unsere Ausbildung ebenfalls zur Traumabewältigung. Bevor ich jetzt gleich die Katze aus dem Sack lasse worum es sich dabei handelt, möchte ich zunächst die Vorgeschichte kurz erläutern (Spannung muss schließlich sein): Zu unserem Ausbildungsprogramm gehört natürlich auch das Lernen jeglicher journalistischer Darstellungsformen. Dazu verfallen Kim und ich in zugegebener Maßen eher unregelmäßigen Abständen zurück in alte studentische Muster und belehren uns gegenseitig anhand perfekt ausgearbeiteter Referate. Nach der Pflicht folgt dann die Kür, sodass wir das aufgesogene Wissen anhand eines praktischen Beispiels zu Papier bringen. Anschließend erteilt uns unsere Chefredakteurin Susanne dann entweder die journalistische Absolution für unsere textlichen Ergüsse oder straft uns mit dem gefürchteten Rotstift ab.

Zurzeit beschäftigen wir uns mit der Königsdisziplin des Schreibens: Die Reportage. Die Erklärung, was das Ganze jetzt mit Angstbewältigung zu tun hat, kommt sofort. Es gibt diverse Reportagetypen, auf die ich allerdings nicht genauer eingehen möchte. Doch bei einer speziellen Form kommen wir dem Kern dieses Beitrags schon näher. Um ein Thema besonders authentisch zu veranschaulichen, unterziehen sich viele Journalisten häufig einem Selbstversuch. Schließlich muss man ja auch wissen worüber man schreibt (sollte man zumindest).

Für dieses viel versprechende Format habe ich mich dann auch prompt entschieden und begebe mich dafür dieses Wochenende in luftige Gefilde. Anzumerken ist hierbei, dass ich unter ziemlich ausgeprägter Höhenangst leide. Aber was hilft besser als die gute alte Schocktherapie? Deshalb werde ich zusammen mit meiner besseren Hälfte einen todesmutigen Tandemfallschirmsprung wagen. Ja, ich gebe zu, dass dies nicht aus freien Stücken sondern eher aufgrund der Abenteuerlust meiner Freundin geschieht. Aber zeitlich passt es natürlich super zu unserem redaktionsinternen Ausbildungsplan. Und außerdem sagt man doch so schön: Mitgefangen, mitgehangen (in diesem Fall also eher gefallen).

Das heißt im Klartext, dass ich mich aus einer Absprunghöhe von 4000 Metern in die Tiefe stürze und einen ca. 50 Sekunden langen freien Fall genießen darf. Inwiefern diese Tatsache mit Sinnesfreuden zusammenhängt lässt sich bisher nur mutmaßen. Jedoch ergab eine einschlägige Recherche in diversen Erfahrungsberichten, dass es sich um eine nahezu bewusstseinserweiternde Erfahrung handeln soll. Nun ja, bisher beschränken sich meine Empfindungen alleine beim Gedanken an den bevorstehenden Schicksalstag auf akute Fluchtreflexe. Doch spätestens mit Veröffentlichung dieses Blogs ist an Schwanz einziehen nicht mehr zu denken! Immerhin steht neben meiner selbst auferlegten Männlichkeit auch die journalistische Sorgfaltspflicht auf dem Spiel und wenn selbst die hyperaktive Dschungelhupfdole Ross Anthony den Sprung gewagt hat, kann das Ganze ja nicht so schlimm sein! Außerdem gab es ja bereits Absturzopfer, die mit einem Knöchelbruch davon gekommen sind. Gut, es gab auch Herzinfarkte bei Tandemspringern und unappetitliche Folgen von sich nicht öffnenden Fallschirmen, aber ich baue wie so oft auf die beruhigende Sicherheit der Statistik.

Ansonsten bleibt immer noch die Black Box des Sprungs: Selbstverständlich habe ich einen Videospringer gebucht, der das ganze Spektakel filmt und auf DVD brennt, damit ich hinterher auch ordentlich angeben kann. Sollte ich also heil davon kommen, gibt es nächste Woche an dieser Stelle einen ersten Erfahrungsbericht. Bis dahin gilt: Runter kommen sie alle!

 Golden Girls gegen Grippe 

28.04.2009  (kk)

KIM: Es ist kurz vor vier und die allgemeine Stimmung in der Redaktion hat ihren nachmittäglichen Tiefpunkt erreicht. Sauerstoff könnte unseren trägen Hirnen auf die Sprünge helfen, aber leider ist die Luft draußen heute ebenso schwül und stickig wie die im Zimmer.
Eigentlich bin ich gerade dabei, Dangerous Parking aus der Arthouse-Strecke auf Tauglichkeit zu testen. Aber die Probleme eines alternden Junkies mit Hodenkrebs können mich gerade nicht so richtig fesseln. Kein Wunder, immerhin muss ich alle zehn Minuten online checken, ob schon neue Fälle von Schweinegrippe aufgetreten sind.
Zu den eher unangenehmen Spätfolgen meines missglückten Medizinstudiums gehört nämlich neben einer morbiden Faszination für Krankheiten aller Art auch eine sehr bildliche Vorstellung über die Verbreitung von Infektionen. OK – möglicherweise ist auch eine bestimmte Folge Scrubs dafür verantwortlich, aber wichtig ist das Ergebnis: Stellen Sie sich vor, jemand ist infiziert, hustet und hält sich dabei die Hand vor den Mund. Dank dieser höflichen Geste kleben an seiner Hand nun Millionen von Erregern. Die wiederum stellen sie sich am besten als neonfarbigen Schleim vor. Und alles, was unser erster Infizierter nun mit seiner neonfarbigen Erregerhand anfasst, wird ebenfalls neonfarbig und hält Viren bereit. Sie haben keine Ahnung, wie schnell sich so eine hässliche Neonfarbe ausbreiten kann. (Außer sie lesen Modezeitschriften)
Wäre ich zum Beispiel infiziert, hätte ich auf diese Weise über Türklinken, U-Bahn-Haltegriffe, Aufzugknöpfe und die Kaffeemaschine seit heute Morgen in der Theorie schon gute 300 Leute anstecken können. Keine schöne Vorstellung, oder?
Aber keine Sorge – ich entwickle keine Pandemie-Panik. Wahrscheinlich ist es nur die Kombination aus Sauerstoffmangel, gefährlichem medizinischen Halbwissen und einer Überdosis an Katastrophen- und Seuchenfilmen, die mich gerade etwas kribbelig macht. Hier deshalb meine Vorschläge für Filme, die selbst Katastrophensender RTL 2 in nächster Zeit lieber auf die Schwarze Liste setzen sollte:
- Outbreak

- Die Hamburger Krankheit
The Crazies
Omega Man
I Am Legend
The Last Man on Earth
Treffpunkt Todesbrücke
Killergrippe 2008
The Stand
- 28 Days L
ater
Cabin Fever (Einer der wenigen Filme, den ich wegen akuter Ekel-Attacken nicht bis zum Ende durchgehalten habe: Eli Roth ist privat sicher wahnsinnig nett und nebenbei auch optisch ganz ansprechend, aber seine Filme sind nichts für mich. Vielleicht ändert sich das ja mit Puls - falls dieser Film tatsächlich mal Gestalt annimmt)
- 28 Weeks Later
Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All

Mein alternativer Programmvorschlag wäre eine geballte Ladung Golden Girls im Andenken an die leider am Samstag verstorbene Beatrice Arthur. Lachen ist immerhin gesund und stärkt die Abwehr – ebenso wie Vitamin C, frische Luft, Sport und Sauna, aber diese Dinge erfordern mehr Aufwand und machen weniger Spaß als die vier Ladies aus Miami. In diesem Sinne: Gute Gesundheit.

Heftinhalt
DVD-Inhalt
Heftarchiv
Vorschau
Interviews
Leseraward
Jobs
Abo
Impressum