Achtung, fliegender Volontär

20.05.2009   (ak)

Andre: Hurra, ich lebe noch! Eigentlich sollte diese Meldung schon vor zwei Wochen auf diesem Wege erscheinen, aber wie immer hat mir der obligatorische Druckabgabestress die Tour vermasselt. Doch dank des erfolgreich absolvierten Tandemsprungs am 2. Mai (Beweisfoto siehe links) konnte ich die arbeitsintensiven Tage ziemlich gelassen angehen. Frei nach dem Motto: Was sollte mir denn jetzt noch großartig passieren können? Allen, die eventuell auch mit dem Gedanken spielen, aus einem Flugzeug zu hüpfen, kann ich nur voll und ganz dazu raten! Es ist wirklich ein absolut unvergessliches Erlebnis, das man schlecht mit Worten ausreichend vermitteln kann. Deshalb belasse ich es an dieser Stelle bei einer Kurzbeschreibung der einzelnen Phasen des luftigen Vergnügens vom Kennenlernen des Tandemmasters bis zur sicheren Landung. (Von der ich allerdings nicht wirklich etwas mitbekommen habe, aber dazu später mehr).

Phase 1 – Der Tandemmaster: Bevor es in die Höhe geht, lernt man zunächst den Mann kennen, der einen später in den Abgrund stürzen darf. Mein Kandidat des Vertrauens entpuppte sich als gelassener Sprungmanitu mit einer nahezu beruhigenden Ausstrahlung.

Phase 2 – Die Vorbereitung: Auf zur Kleiderwahl! Zunächst durfte ich in einen grünen Sprunganzug schlüpfen, in dem ich glatt als Landschaftsgärtner durchgegangen wäre. Schnittige Brille und eine Old-School-Fliegerhaube rundeten das modische Gesamtpaket ab. Es folgte die Einweisung in den Ablauf des Sprungs. Allerdings beließ es mein Master bei relativ oberflächlichen Anweisungen mit dem Hinweis, dass wir alles noch mal genau im Flugzeug durchgehen.

Phase 3 – Der Flug: Up and away! In bester Top Gun-Manier machten wir uns dann auf zur schnuckeligen Propellermaschine. Zusammen mit zwei weiteren Springern pferchte man sich hintereinander auf den Boden und schon ging es ab bis auf 4000 Meter Höhe. Während des rund 15-minütigen Fluges verstand man aufgrund akuter Motorenlärmbelästigung sein eigenes Wort nicht mehr und langsam aber sicher ließ sich ein steigender Adrenalinpegel nicht mehr leugnen.

Phase 4 – Der Absprung: Jetzt gab es kein Zurück mehr! Mit meinem Master im Schlepptau rutschte ich zur Absprungluke und dann hieß es: Nicht lang schnacken, Kopp in`Nacken und weg damit!

Phase 5 – Der Freie Fall: Man nehme das Gefühl im Magen bei einer Achterbahnabfahrt und multipliziere es mit Faktor zehn. So in etwa gestalteten sich die ersten Schocksekunden des Freifalls. Doch bereits kurz danach machten sich nur noch Glücksgefühle breit, die wie gesagt kaum zu beschreiben sind. Nach 50 Sekunden zog der Master die Fallschirmleine und viel sanfter als vorher gedacht folgte der Übergang in den circa siebenminütigen Sinkflug.

Phase 6 – Die Landung: Tja, am Ende ist dann doch noch ein klitzekleines Malheur passiert: Leider hatte sich mein Kreislauf kurz vor der Landung dazu entschlossen, kurzzeitig den Geist aufzugeben, sodass ich mich die letzten Meter als nasser Sack präsentieren musste. Kurz gesagt – Landung verpennt! Immerhin konnte ich mich wieder schnell berappeln und war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber voll mit unglaublichen Eindrücken.

So in etwa lässt sich mein todesmutiges Erlebnis in der Kurzform beschreiben. Fest steht auf jeden Fall, dass es definitiv einen zweiten Sprung geben wird und dann hoffentlich auch mit einer Landung im vollen Bewusstsein. Die redaktionelle umfassende Aufarbeitung meiner Fallschirmpremiere erfolgt dann im Rahmen unserer Reportageaufgabe. Allerdings dürfte das Ergebnis noch etwas auf sich warten lassen, da zunächst Kim und anschließend ich vier Wochen in Berlin stationiert sind, wo wir unsere heiß ersehnten Volontärskurse in Angriff nehmen. Mal sehen, was uns dort so für Herausforderungen erwarten…



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